Die zu beobachtenden zaghaften Verhaltensweisen
von Politik und Justiz lassen viele unbeteiligte Bürger zu dem Schluß
kommen, daß der berliner Filz tatsächlich sehr viel dicker als
tausend Teppiche ist. Scheinbar sind die freundschaftlichen Bande der handelnden
mächtigen Akteure im Hintergrund wesentlich stärker als die Sonntags-
und Parteitags-Moral der politisch gewählten Stellvertreter des angeblich
höchsten Souveräns, dem Bürger mit Stimmrecht. Bei den gegenseitigen Schuldzuweisungen über
die angeblich fehlenden juristischen Möglichkeiten schimmert allzu
durchsichtig der Unwille zur aktiv erfolgreichen Tat durch. Sind Studienkollegen aus Justiz und Wirtschaft
als Mitglieder vornehmer Clubs einflußreicher als die Angst vor dem
zu erwartenden politischen Erdrutsch im Wahlergebnis der unsichtbar negativ
beeinflußten Parteien? Haben Sie liebe Abgeordnete von Berlin zu
große Angst, nicht mehr auf höheren feinen Parties eingeladen
zu werden? Viele Berliner wünschen sich sehnlichst
die politische Debatte im Donnerstagskreis oder an jedem anderen Orte mit
der Justizsenatorin Schubert und dem Generalstaatsanwalt Karge über
Fragen der nicht redlich ausgeführten Ermittlungen und allzuseltenen
Strafverfolgung bei Betrugsdelikten im öffentlichen Recht und in dem
weiten Bereich des Gesellschaftsrecht der juristischen Personen.
Um berliner Filz-Einflüsse sicher auszuschließen,
sollten externe wirtschaftserfahrene Richter in einer zusätzlichen
Sonder-Strafkammer berufen werden.
Zwei Wirtschafts-Strafkammern sind eindeutig
zu wenig für eine Stadt mit dieser wechselvollen Vergangenheit, mit
diesen besonderen Problemen und diesem extremen Filz.Die
SPD wäre gut beraten, sich Herrn Staatsanwalt Schaupensteiner als
Berater zur Aufdeckung und Verfolgung von Korruption aus Frankfurt(Main)
auszuleihen. Erfahrene berufliche kaufmännische Senioren sind für
die Weiterbildung von Staatsanwälten und Kripo-Mitarbeitern zu gewinnen,
um das erschreckende Unwissen über Wirtschaftsvorgänge bei den
Ermittlungskräften auszumerzen.In der Ausbildung von Kriminalpolizei
und Juristen kommt Wirtschaftskriminalität scheinbar nicht vor.